Eine ereignisreiche Woche im KI-Ökosystem
Vom 9. bis 15. Januar 2026 häuften sich die Ankündigungen: Umstrukturierung bei Anthropic, Hardware- und Energiepartnerschaften bei OpenAI, historische Annäherung von Google und Apple sowie Neuigkeiten von Qwen und ElevenLabs.
Anthropic Labs: eine neue Produktstruktur
13. Januar 2026 — Anthropic kündigt die Erweiterung von Labs an, einem Team, das sich der Inkubation experimenteller Produkte an den Grenzen der Fähigkeiten von Claude widmet.
Mike Krieger, Mitbegründer von Instagram und seit zwei Jahren Chief Product Officer von Anthropic, wechselt zu Labs, um an der Seite von Ben Mann aufzubauen. Ami Vora übernimmt die Leitung der Produktorganisation in Partnerschaft mit Rahul Patil (CTO).
“The speed of advancement in AI demands a different approach to how we build, how we organize, and where we focus. Labs gives us room to break the mold and explore.”
🇩🇪 “Die Geschwindigkeit des Fortschritts in der KI erfordert einen anderen Ansatz, wie wir bauen, wie wir uns organisieren und worauf wir uns konzentrieren. Labs gibt uns den Raum, neue Wege zu gehen und zu erforschen.” — Daniela Amodei, Präsidentin von Anthropic
Diese Struktur hat bereits Claude Code (das in sechs Monaten zu einem Milliarden-Dollar-Produkt wurde), das Model Context Protocol (100 Mio. monatliche Downloads), Skills, Claude in Chrome und Cowork hervorgebracht.
OpenAI: Hardware- und Energiepartnerschaften
Partnerschaft mit Cerebras
14. Januar 2026 — OpenAI arbeitet mit Cerebras Systems zusammen, um 750 MW an ultraschneller Inferenzkapazität hinzuzufügen. Cerebras baut KI-Prozessoren auf einem einzigen riesigen Chip und kombiniert Rechenleistung, Speicher und Bandbreite, um Engpässe bei der traditionellen Inferenz zu beseitigen.
“OpenAI’s compute strategy is to build a resilient portfolio that matches the right systems to the right workloads. Cerebras adds a dedicated low-latency inference solution to our platform.”
🇩🇪 “Die Rechenstrategie von OpenAI besteht darin, ein widerstandsfähiges Portfolio aufzubauen, das die richtigen Systeme mit den richtigen Arbeitslasten abgleicht. Cerebras fügt unserer Plattform eine dedizierte Lösung für Inferenz mit geringer Latenz hinzu.” — Sachin Katti, OpenAI
Die Kapazität wird in Tranchen bis 2028 bereitgestellt.
Investition in Merge Labs
15. Januar 2026 — OpenAI investiert in Merge Labs, ein Forschungslabor für Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI). Das Ziel: natürliche und menschliche Schnittstellen zur Interaktion mit KI zu schaffen.
Zu den Mitbegründern gehören die Forscher Mikhail Shapiro, Tyson Aflalo und Sumner Norman sowie Alex Blania, Sandro Herbig und Sam Altman (persönlich).
OpenAI wird mit Merge Labs an wissenschaftlichen Basismodellen und modernsten Werkzeugen zusammenarbeiten, um die Forschung zu beschleunigen.
US AI Supply Chain
15. Januar 2026 — OpenAI startet eine Request for Proposals (RFP), um die US-amerikanische KI-Lieferkette durch die inländische Herstellung von Komponenten zu stärken.
| Bereich | Gesuchte Komponenten |
|---|---|
| Unterhaltungselektronik | Module, Werkzeuge, Endmontage |
| Rechenzentren | Rechenleistung, Stromversorgung, Kühlung, Hardware |
| Robotik | Getriebe, Motoren, Leistungselektronik |
Diese Initiative ist Teil von Stargate, dem im Januar angekündigten 500-Milliarden-Dollar-Projekt für KI-Infrastruktur. Frist: Juni 2026.
SoftBank und SB Energy
9. Januar 2026 — OpenAI und die SoftBank Group investieren jeweils 500 Millionen Dollar in SB Energy, um die KI-Infrastruktur der nächsten Generation aufzubauen.
Kernpunkte:
- Mietvertrag über 1,2 GW für das erste Rechenzentrum (Milam County, Texas)
- Multi-Gigawatt-Campus mit Inbetriebnahme ab 2026
- SB Energy wird Kunde von OpenAI und setzt ChatGPT für seine Mitarbeiter ein
“Die Partnerschaft mit SB Energy ermöglicht es, die Stärke des Unternehmens im Bereich der Entwicklung von Rechenzentrumsinfrastruktur und Energie mit der tiefgreifenden Expertise von OpenAI in der Rechenzentrumstechnik zu verbinden.” — Greg Brockman, Mitbegründer und Präsident von OpenAI
Google und Apple: Gemini für Apple Intelligence
12. Januar 2026 — Google und Apple kündigen eine historische mehrjährige Zusammenarbeit an: Die nächsten Generationen der Apple Foundation Models werden auf den Gemini-Modellen und der Cloud-Technologie von Google basieren.
Was das bedeutet:
- Ein personalisierteres Siri ist für dieses Jahr geplant
- Apple Intelligence wird weiterhin auf Apple-Geräten und Private Cloud Compute laufen
- Die Datenschutzstandards von Apple bleiben gewahrt
Apple hat nach einer Evaluierung festgestellt, dass die KI-Technologie von Google die leistungsfähigste Grundlage für die Apple Foundation Models bietet.
🔗 Joint statement Google and Apple
ElevenLabs: Partnerschaft mit der Deutschen Telekom
Januar 2026 — ElevenLabs kündigt eine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom, dem größten europäischen Telekommunikationsbetreiber, an. Das Ziel: KI-Sprachagenten für den Kundenservice bereitzustellen, die per App und Telefon erreichbar sind.
Diese Partnerschaft markiert die Expansion von ElevenLabs in Europa mit einem wichtigen Akteur im Telekommunikationsbereich.
🔗 Ankündigung Deutsche Telekom
Qwen: vier wichtige Neuheiten
Qwen3Guard — Erstes Sicherheitsmodell
Januar 2026 — Alibaba startet Qwen3Guard, das erste Sicherheitsmodell der Qwen-Familie. Aufbauend auf den Qwen3-Basismodellen gewährleistet es die Erkennung gefährlicher Inhalte für Prompts und Antworten.
Hauptmerkmale:
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Varianten | Qwen3Guard-Gen (generativ, für Offline-Annotation) und Qwen3Guard-Stream (Echtzeit, Token für Token) |
| Größen | 0.6B, 4B, 8B Parameter |
| Sprachen | 119 Sprachen und Dialekte |
| Klassifizierung | Safe / Controversial / Unsafe (3 Stufen) |
Das Stream-Modell ermöglicht eine Echtzeit-Moderation während der Antwortgenerierung, was ein sofortiges Eingreifen erlaubt.
Qwen-Image-Edit — Intelligente Bildbearbeitung
Januar 2026 — Qwen-Image-Edit erweitert die Fähigkeiten von Qwen-Image auf die Bildbearbeitung. Das Modell mit 20B Parametern zeichnet sich aus durch:
- Semantische Bearbeitung: Stiländerung, Objektrotation (bis zu 180°), IP-Erstellung, Ghibli-Stil
- Erscheinungsbild-Bearbeitung: Hinzufügen/Entfernen von Elementen mit realistischen Reflexionen, Kleiderwechsel, Hintergründe
- Textbearbeitung: präzise Änderung von Text in Bildern (Chinesisch und Englisch), Kalligraphiekorrektur in aufeinanderfolgenden Schritten
Qwen-MT — Hochleistungsübersetzung
Januar 2026 — Qwen-MT (qwen-mt-turbo) ist ein Übersetzungsmodell, das 92 Sprachen unterstützt. Basierend auf Qwen3 mit einer leichten MoE-Architektur bietet es:
- Reduzierte Kosten: $0.5 pro Million Output-Token
- Anpassung: Terminologie-Intervention, Domain-Prompts, Translation Memory
- Leistung: übertrifft GPT-4.1-mini und Gemini-2.5-Flash in Übersetzungs-Benchmarks
🔗 Qwen-MT
GSPO — Neuer RL-Algorithmus
2025 — Qwen veröffentlicht GSPO (Group Sequence Policy Optimization), einen neuen Reinforcement-Learning-Algorithmus, der die Stabilitätsprobleme von GRPO löst.
Vorteile:
- Optimierung auf Sequenzebene statt auf Token-Ebene
- Bemerkenswerte Stabilität für das RL-Training von MoE-Modellen
- Toleranter gegenüber Genauigkeitsabweichungen, was die Infrastruktur vereinfacht
Dieser Algorithmus treibt die neuesten Qwen3-Modelle (Instruct, Coder, Thinking) an.
Was das bedeutet
Diese Woche veranschaulicht mehrere Trends:
- Produktumstrukturierung: Anthropic schafft mit Labs eine Struktur, die sich der schnellen Innovation widmet
- Wettlauf um Hardware: OpenAI vervielfacht Partnerschaften (Cerebras, SB Energy) und Investitionen zur Sicherung der Infrastruktur
- Konvergenz der Giganten: Google und Apple verbünden sich bei Gemini für Siri — eine historische Annäherung
- Zukünftige Schnittstellen: Die Investition in Merge Labs (BCI) zeigt das Interesse an Gehirn-Computer-Schnittstellen
- KI-Sicherheit: Qwen3Guard zeigt, dass Sicherheitsmodelle im Ökosystem unverzichtbar werden
- Europäische Expansion: ElevenLabs setzt sein Wachstum mit der Deutschen Telekom fort